KREUZSCHMERZEN

Schmerz / Schmerzen im Kreuzbereich 

 

Zunächst eine gute Nachricht für alle Schmerzpatienten

Sozialgericht stärkt die Rechte von Schmerzpatienten. Danach hat ein Schmerzpatient das Recht in einer schmerztherapeutischen Klinik behandelt zu werden, er muß also nicht irgendeine der sonst üblicherweise angebotenen Rehabilitationen akzeptieren sondern kann unter Hinweis auf das Urteil gleich Widerspruch einlegen. Hier gelangen Sie zu dem Urteil (dieses gilt sinngemäß natürlich nicht nur für die Rentenversicherungen sondern auch für Krankenkassen), das mittlerweile rechtskräftig ist. Pressemitteilung dazu: http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=051207009&phrase=schmerzklinik

  • Kreuzschmerzen verursachen mehr als 50% der Krankheitskosten im orthopädischen Fachgebiet und übertreffen damit bereits die Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Schmerzen im Kreuzbereich können plötzlich und völlig unerwartet auftreten und sind dann im Volksmund unter anderem unter dem Begriff „Hexenschuß“ bekannt. Hält der Schmerz aber länger als 3 Monate an, muß man bereits von einem chronischen Kreuzschmerz sprechen.

Der Begriff "Kreuz" ist nicht genau definiert. Im Allgemeinen versteht man darunter aber einen Abschnitt im unteren Teil des Rückens und zwar das Kreuzbein unter Einschluß der unteren Lendenwirbelsäule.

Die menschliche Wirbelsäule ist als statisches Achsenorgan großen Belastungen ausgesetzt, entsprechend häufig treten Verschleißerscheinungen auf, die über die normale Abnützung hinausgehen und deshalb oft chronische Rücken - bzw. Kreuzschmerzen verursachen. 
Es ist jedoch stets zu bedenken, dass auch vermehrte Verschleißprozesse nicht unbedingt mit Schmerzen im Rücken- bzw. Kreuzbereich einhergehen müssen, auch gibt es keinen statistischen Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der abnutzungsbedingten Veränderungen und der gefühlten Schmerzintensität.

(Chronische) Kreuzschmerzen können also sehr vielfältig verursacht sein. Vieles deutet auch darauf hin, dass sowohl physische als auch psychische Lebensumstände und Arbeitsverhältnisse eine Rolle spielen. In der Regel besteht hierbei keine neurologischen Symptomatik.

Überwiegend kann man also leider keine genaue Ursache für einen Schmerz im Kreuzbereich finden. Nur bei etwa 30% der Patienten ist eine genaue Schmerzursache zu diagnostizieren.

Die genaue Abfrage der Symptome (= Krankheitszeichen) ist deshalb von bedeutender Wichtigkeit und diagnostisch richtungsweisend.

Die größten statisch-dynamischen  Belastungen der Wirbelsäule betreffen die Lendenwirbelsäule. Im Vordergrund stehen daher übermäßige abnutzungsbedingte Veränderungen als Schmerzursache, wobei der Bandscheibe hier eine besondere Bedeutung zufällt. Im Laufe der Zeit verringert sich der Wassergehalt des Gallertkerns innerhalb der Bandscheibe, der Faserring verliert dadurch seine Haltefunktion und die Gallertmasse kann dann durch die entstandenen Risse nach hinten durch den Bandscheibenraum austreten.

Bereits in dieser Phase sind Bandscheibenvorfälle möglich. Durch die Bandscheibenveränderung kann eine zum Teil erhebliche Bewegung seinschränkung entstehen, denn die Wirbelkörper können sich gegeneinander verschieben, worunter die kleinen Wirbel gelenke besonders leiden und schließlich mit arthrotischen (= krankhaften) Veränderungen reagieren (Spodylarthrosen). 

Mit zunehmender
Bandscheibendegeneration (= Bandscheibenabnutzung) nähern sich die Wirbelkörper einander und reagieren mit Randzackenbildung (Spondylose) und krankhafter Verhärtung (= Sklerosierung) der Deckplatten (Osteochondrose). 
Diese Veränderungen können sich auch nach innen richten und dann zu einer Spinalkanalstenose (Spinalstenose) führen und in den betroffenen Segmenten
Schmerz en hervorrufen, bei entsprechendem Ausmaß treten weitere Beschwerden hinzu, so z.B. Schmerzausstrahlungen in die Beine in Form einer pseudoradikulären oder gar radikulären Symptomatik (= Krankheitszeichen die auf eine scheinbar oder tatsächlich geschädigte Nerven wurzel zurückzuführen sind) bis hin zur Claudicatio spinalis (= Funktionsbeeinträchtigung der Beine aufgrund einer Durchblutungsstörung im Rücken mark)). Dabei kommt es zu Schmerzen und Mißempfindungen im Bereich der Nervensegmente (= Dermatome) des Kreuzbein bereichs (= Sakralteils) des Rückenmarks, die nach einer gewissen Gehstrecke auftreten und beim Stehenbleiben wieder abklingen. 

Mit zunehmender Bandscheibendegeneration (= Bandscheibenabnutzung) nähern sich die Wirbelkörper einander und reagieren mit Randzackenbildung (Spondylose) und Sklerosierung (= krankhafte Verhärtung) der Deckplatten (Osteochondrose). Allmählich kommt es zu einer Versteifung, die an sich der Entstehung von einem Schmerz im Rücken- bzw. Kreuzbereich entgegen wirkt ("wohltuende Versteifung im Alter"). 
Jede Phase dieser fortschreitenden Degeneration kann im
Bewegung ssegment Kreuzschmerzen verursachen, die auch mit pseudoradikulärer oder gar radikulärer Symptomatik (= Krankheitszeichen die auf eine scheinbar oder tatsächlich geschädigte Nervenwurzel zurückzuführen sind) einhergehen können. 
Verschleißprozesse, die über die normale, altersentsprechende Abnutzung hinausgehen, können auch zu einer Verengung des Spinalkanals führen und in den Segmenten des Kreuzbereich s Schmerzen hervorrufen, bei entsprechendem Ausmaß treten weitere Beschwerden hinzu ((pseudoradikuläre, radikuläre Ausstrahlungen in die Beine, Claudicatio spinalis
(= Funktionsbeeinträchtigung der Beine aufgrund einer Durchblutungsstörung im Rückenmark)). 

Ein Bandscheibenprolaps (= Bandscheibenvorfall) erfolgt meist dorsolateral (= seitlich und nach hinten) und kann schon bei geringem Ausmaß das Bewegung ssegment blockieren. In der dorsolateralen (= hinteren und seitlichen) Region kann aber auch die Nervenwurzel direkt tangiert bzw. eingeklemmt werden und ausstrahlende Krankheitszeichen bewirken. 
90% aller
Bandscheibenvorfälle finden in den Etagen L4/L5 und L5/S1 statt (Sehhati-Chafei 1988). Diese bevorzugte Lokalisation führt dazu, dass häufig die Diagnose "Lumboischialgie" gestellt wird, da die oberen Anteile des Plexus ischiadicus (= Nerven geflecht aus dem der Ischias nerv entstammt) bzw. Plexus sacralis (= Nervengeflecht im Bereich des Kreuzbeins) den Nervenwurzeln L4 und L5 entstammen.

Die kleinen Wirbel gelenk e, die wegen ihrer dachziegelartigen Anordnung auch Facettengelenke genannt werden, können auch unabhängig vom Einfluss der Bandscheibendegeneration arthrotische Veränderungen erfahren und dann ebenfalls schmerzhafte Blockierungen des Bewegungssegmentes hervorrufen. 
Auch im Bereich der Foramina intervertebralia
(= Zwischenwirbellöcher) können isolierte Störungen auftreten, die die zugehörigen Nervenwurzeln irritieren oder gar schädigen und dann zu Rücken- bzw. Kreuzschmerzen führen. 

Patienten mit Rücken- bzw. Kreuzschmerzen nach Bandscheibenoperation en sind bezüglich einer Schmerzbehandlung sehr problematisch. Erfahrungsgemäß nimmt die Problematik mit jeder weiteren Operation sogar noch zu. Der oben beschriebene typische Ablauf des Abnutzungsprozesses macht deutlich, dass auch mit einer Operation die eigentliche Schmerzursache ja nicht behoben werden kann, im Gegenteil, es besteht sogar die Gefahr, dass der degenerative Prozeß noch beschleunigt wird. Mit jeder Operation nimmt die Tendenz zur Instabilität zu, abgesehen von den zusätzlichen iatrogenen (= durch die Operation verursachten) Gewebsschädigungen. 
Nicht selten sehen wir Patienten, bei denen nach mehrfachen
Bandscheibenoperation en wegen Instabilität eine Spondylodese (= operative Wirbelsäulenversteifung) durchgeführt werden mußte. Leider ist auch nach einer solchen, teilweisen Wirbelversteifung ein Großteil der Patienten nicht beschwerdefrei. Es ist daher zu begrüßen, daß die Indikation (= Anzeige) zur Bandscheibenoperation in den letzten Jahren immer mehr eingeschränkt worden ist. Als Grund für eine Operation ist das Krankheitszeichen "Kreuzschmerz in den Hintergrund getreten. Als relative Indikation (= Anzeige) gelten allenfalls unerträgliche, therapieresistente (= nichts hilft) Kreuzschmerzen
Beim sog. Cauda-Syndrom
(= Rücken markschädigung mit Lähmung der Beine), ebenso bei motorischen Defiziten (= Beeinträchtigungen der Muskel funktion), die unter konservativer Therapie (= Behandlung ohne Operation) bestehen bleiben oder gar zunehmen, muß operiert werden, um eine Entlastung herbeizuführen. 

Häufiger hat ein Schmerz im Kreuzbereich auch seinen Ursprung in den Iliosakralgelenken (= gelenkartige Verbindung zwischen Darm - und Kreuzbein) (die sog. Iliosakralgie). Meist liegen funktionelle Störungen vor, die betroffenen Patienten klagen besonders bei Rumpfbeugung, verbunden mit Drehung, über Schmerzen im lumbosakralen Übergangsbereich (= unterer Lendenwirbelsäule n- und oberer Kreuzbeinbereich), aber auch typischerweise über Schmerzen im Bereich der Spina iliaca posterior superior (= hinterer oberer Darm beinstachel) mit unspezifischen Ausstrahlungen in die Beine (Gesäß, hinterer und seitlicher Oberschenkel bis zur Wade und evtl. Ferse). 
Neurologische Ausfälle
(= Nervenstörungen) bestehen nicht. Häufiger kommen diese Patienten mit der (falschen) Diagnose „Îschiolumbalgie“.

 

Schmerzen können natürlich auch vom Kreuzbein ausgehen, in diesem Falle spricht man dann von einer Sakralgie bzw. Lumbosakralgie.
 

Mögliche Ursachen sind:

  • Traumatisch (= verletzungsbedingt), hauptsächlich in Form von Prellungen, ein Kreuzbeinbruch ist eher selten. Nach einer Prellung sind länger anhaltende Schmerzen i.d.R. Folge einer unspezifischen Knochenhautentzündung.

  • Erkrankung der Iliosakralgelenk e (= durch starke Bänder gewährleistete gelenkähnliche Verbindung zwischen dem Kreuzbein und den Becken knochen). Meist liegen funktionelle Störungen vor, die betroffenen Patienten klagen besonders bei Rumpfbeugung, verbunden mit Drehung, über Schmerzen im lumbosakralen Übergangsbereich (= unterer Lendenwirbelsäule n- und oberer Kreuzbeinbereich), aber auch typischerweise über Schmerzen im Bereich der Spina iliaca posterior superior (= hinterer oberer Darm beinstachel) mit unspezifischen Ausstrahlungen in die Beine (Gesäß, hinterer und seitlicher Oberschenkel bis zur Wade und evtl. Ferse). 
    Neurologische Ausfälle
    (= Nervenstörungen) bestehen nicht. Häufiger kommen diese Patienten mit der (falschen) Diagnose „Lumboischialgie“.
    Bei Tuberkulose ist häufiger auch das
    Hüftgelenk mit einbezogen, man spricht dann von einer Sakrokoxalgie.

  • Bei einer sog. Sakralisation. Unter einer oberen Sakralisation versteht man eine komplette oder inkomplette (= unvollständige) (asymmetrische) mit Formangleichung verknüpfte Verschmelzung des 5. Lendenwirbelkörpers mit dem Kreuzbein. Bei der unteren Sakralisation kommt es zu eine Verschmelzung mit dem 1. Steißbein wirbel, was zusätzlich zu Steißbeinschmerzen ( die sog. Kokzygodynie) führen kann. 
     

  • Infolge Kompression (= Einengung) der sog. Nerven clunium recurrentes in den Kreuz beinlöchern (Wurzelkompression).

 

Medikamentöse Schmerzbehandlung:

  • Akut (= plötzlich einsetzend, heftig) und subakut (= eher schleichend verlaufend) können zunächst (vorwiegend) peripher wirkende Analgetika (= Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken) eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale Antirheumatika (= Rheumamittel) (möglichst langwirkende und magenschonende wie z.B. Mobec®). Besonders magenschonend und auch entzündungshemmend sind die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B. Parecoxib (Dynastat®) oder Etoricoxib (Arcoxia®), allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib und Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen werden, wie schon andere Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.  
  • Bei stärkeren schmerzhaften Muskelverspannungen auch Muskelrelaxanzien (= Mittel zur Muskelentspannung) (z.B. Norflex®, Mydocalm®). 
  • Manchmal sind aber die Schmerzen nur mit zentralwirkenden Analgetika (z.B. Tramadol, Valoron N® oder gar Morphin) (= im Gehirn bzw. Rücken mark wirkende Schmerzmittel) beherrschbar. 
  • Grundsätzlich sollte aber auch bei Kreuzschmerzen (chronische) eine längerfristige Schmerzmittelverordnung wegen der Gefahr der Gewöhnung oder gar Schmerzmittelabhängigkeit vermieden werden. 
    Die Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva
    (= Mittel gegen Depression, u.a. aber auch bei chronischen Schmerzen wirksam) (z.B. Doxepin, Maprotilin) hilft in vielen Fällen Schmerzmittel einzusparen.

 

Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel bzw. Lokalanästhetika):
- (Diese Behandlung kann aber nur in dafür spezialisierten Kliniken durchgeführt werden, so z.B. in Bad Mergen theim) -
Bei anhaltenden Schmerzen im Kreuzbereich sollten rechtzeitig alternative Methoden eingesetzt werden. Eine sehr wirksame Alternative, ohne jedes Gewöhnungs- oder Suchtpotential, ist die therapeutische Lokalanästhesie mit einem langwirkenden örtlichen Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain) in Form von örtlichen Betäubungen und Nervenblockaden.

Infiltrative Lokalanästhesie (= Infiltration mit einem örtlichen Betäubungsmittel):

  • Die einfachste diesbezügliche Therapie besteht in der örtlichen Infiltration der meist verspannten, an die Wirbelsäule angrenzenden Muskeln. Je nach segmentaler Ausdehnung reichen ca. 5-10 ml Bupivacain 0,25% bis 0,5% völlig aus. 

  • Eine weitere Möglichkeit ist die gezielte Infiltration von Triggerpunkten (= kleine Reizzonen hpts. in der Muskulatur) nach vorheriger Identifizierung derselben. 

  • Werden die Schmerzen im Kreuzbereich durch abgenutzte, entzündliche oder irritierte Intervertebralgelenke (= kleine Gelenke zwischen den Wirbeln) verursacht, sind Infiltrationen der betroffenen kleinen Gelenk e erfolgversprechend. Kortison-Zusatz kann den Heilungsprozeß beschleunigen. 

Der Beweis für ein "Facettensyndrom" (= Schmerzstörung im Bereich der kleinen Wirbelgelenke) als Schmerzursache, ist letztlich nur durch den Erfolg einer probatorischen (= zur Sicherung der Diagnose durchgeführten) Facetten-Betäubung zu erbringen. Langzeiterfolge durch Thermokoagulation (= Verkochung / Zerstörung mit Hochfrequenzstrom) der Facetten sind bei Rücken- bzw. Kreuzschmerzen nicht gesichert.

 

Periphere temporäre (= oberflächliche, zeitlich begrenzte) Nerven- und rückenmarknahe Blockaden:

  • Zur Unterbrechung segmentaler Reflexkreise, aber auch zur Therapie von Schmerzausstrahlungen eignen Blockaden (= Betäubungen) der korrespondierenden Nervenwurzeln (= im Schmerzbereich befindliche Nervenaustrittstellen, im Falle von Kreuzschmerzen neben der Lendenwirbelsäule und des Os sacrums).

  • Im Bereich der Bein e können bei entsprechender radikulärer oder pseudoradikulärer Schmerzausstrahlung (= Schmerzen die auf eine tatsächlich oder scheinbar geschädigte Nervenwurzel zurückzuführen sind) der vordere Oberschenkel nerv (N. femoralis) und / oder der Ischiasnerv wiederholt blockiert werden, in hartnäckigen Fällen mit Katheter (* siehe unten).

  • Bei Schmerzausstrahlung in den Bereich des seitlichen und inneren Oberschenkels gelingt mit der sog. 3-in-1-Variante die zusätzliche Betäubung der Nerven obturatorius und cutaneus femoris lateralis, deshalb auch geeignet zur Behandlung der Meralgia paraesthetica (= brennende Schmerzen an der Oberschenkelaußenseite). 

  • Die lumbale Periduralblockade (= rückenmarknahe Betäubung im Lenden bereich), insbesondere kontinuierlich mit Katheter*, ist besonders bei Kreuzschmerzen eine sehr effektive Therapiemaßnahme, die allerdings nur unter stationären Bedingungen durchgeführt werden sollte. Bei technischer Beherrschung, adäquater Lokalanästhetika -Dosierung und Beachtung der hygienischen Belange kann das Risiko bei der Anzeige "Rückenschmerz" als vertretbar eingestuft werden. 

  • Wenn eine Periduralblockade technisch schwer oder nicht durchführbar ist (z.B. bei Mißbildungen, Zustand nach operativer Wirbelsäulenversteifung usw.), bietet sich besonders bei Störungen im Bereich des Plexus sacralis (= Nervengeflecht im Bereich des Kreuzbeins) die sog. Kaudalanästhesie (= rückenmarknahe Betäubung durch einen Kanal im Kreuzbein hindurch) an, die auch mit Katheter* möglich ist, sofern dieser wegen der der Gefahr einer Entzündung seitlich unter der Haut mittels einer Untertunnelung weggeführt wird. Erhöht man die Menge des örtlichen Betäubungsmittels (z.B. 20-25ml Bupivacain 0,1 bis 0,15 %) kann auch der obere Lende nbereich erreicht werden. 


Statt mit einem örtlichen Betäubungsmittel können die aufgeführten, rückenmarknahen Blockaden auch mit einer verdünnten Morphin-Lösung durchgeführt werden, allerdings ist dabei die oft zu beobachtende, über die Behandlungszeit hinaus anhaltende Wirkung deutlich weniger ausgeprägt. 
Bei einem sehr schweren und sonst kaum behandelbaren Schmerz im Rücken- bzw. Kreuzbereich kann zur Durchführung rückenmarknaher Blockaden auch eine kleine Schmerzpumpe unter die Haut gepflanzt werden. Das Arzneimittelreservoir der Pumpe wird dann in bestimmten Zeitabständen durch die Haut hindurch mit Hilfe einer Spritze wieder aufgefüllt.

*   Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird der dünne Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht „aufgeschnitten“ werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das Lokalanästhetikum (= örtliche Betäubungsmittel) völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittel durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Das örtliche Betäubungsmittel wird bei dieser Behandlung so dosiert, dass die grobe Kraft erhalten bleibt (bei gleichzeitiger Hemmung der Schmerzreizleitung), damit begleitend krankengymnastische Übungsbehandlungen möglich bleiben. Dass die schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen Nerven betroffen sind, woraus eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung resultiert.
Dies ist der Grund, warum diese Behandlungsmethode besonders bei Schmerzen, die durch entzündliche oder auch degenerative
(= abnutzungsbedingte) Prozesse entstanden sind, hilfreich ist. Gleiches gilt für auch Schmerzen im Rahmen von Nervenerkrankungen, da eine verbesserte Durchblutung auch den Nervenzellstoffwechsel optimiert. Nach neueren Erkenntnissen vermag eine solche  intensive Blockadebehandlung auch das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen.

 

Physikalische Therapiemöglichkeiten:

  • Auch die Elektrostimulation kann eine Beschwerdelinderung herbeiführen. Die transkutane Nervenstimulation mit Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS) hat den Vorteil, daß sich die Patienten bei Bedarf selbst behandeln können. Die Elektroden werden paarig neben der Wirbelsäule im Schmerz bereich aufgeklebt. Durch Veränderung der Stimulationsfrequenz und der Elektrodengröße kann die Wirkung optimiert werden. Auch eine sog. Hochtontherapie kann sehr hilfreich sein.
     

  • Die elektrische epidurale Rückenmarksstimulation erfordert eine strenge Patientenauswahl.

  • Eine weitere physikalische Behandlungsmöglichkeit ist eine oberflächliche Kältetherapie im Schmerzbereich. Wir verwenden einen elektrischen Kaltluftgenerator, dessen Luftstrom auf ca. -10 bis -15 Grad C abgekühlt ist.
     

  • Manche Patienten mit Rückenschmerzen empfinden allerdings lokale Wärmeapplikationen (Rotlicht) als besser wirksam. Warme Bäder können ebenfalls einen Rückenschmerz lindern.

  • Die Verordnung von Massagen ist auch bei einem Schmerz in Kreuzbereich regelmäßig nicht sinnvoll. Für den Patient mag diese Behandlung zwar angenehm sein, aber unter schmerztherapeutischem Aspekt bringt sie nichts und führt nur zu unnötigen Kosten.

  • Nahezu unverzichtbar ist aber bei Rücken- bzw. Kreuzschmerzen die heilgymnastische Therapie, da meist nur diese geeignet ist, einen ärztlichen Behandlungserfolg zu sichern und längerfristig zu stabilisieren. Dabei gilt es, die Muskeln neben der Wirbelsäule zu trainieren, da auf Dauer nur eine kräftige/suffiziente Muskulatur eine statische und dynamische Schwäche des Achsenorgans kompensieren kann. 

  • Besonders bei akuten Blockierungen hat die manuelle Therapie (Chirotherapie) bei der Anzeige „Kreuzschmerz“ durchaus gute Erfolge aufzuweisen.

  • Bei schmerzhaften degenerativen (= durch Abnutzung hervorgerufenen) Veränderungen der Wirbelsäule wird auch eine Röntgenbestrahlung empfohlen (Thomalske 1991)ebenso eine

 

Andere Therapiemaßnahmen

  • Der Vollständigkeit halber darf die Akupunktur nicht unerwähnt bleiben. 
  • Wichtig sind individuelle Instruktionen zur richtigen Haltung und Vermeidung von übermäßigen Wirbelsäulenbelastungen (funktionelle Ergotherapie bzw. Rückenschule). Darüber hinaus ist anzustreben, daß die betroffenen Patienten Übungen zur Lockerung der Muskulatur erlernen. 
  • Die Verordnung von Hilfsmitteln wie z.B. stabilisierende Korsette sollten dem Orthopäden vorbehalten sein. 
  • Hypnoide (= bewusstseinsverändernde) Verfahren wie autogenes Training oder progressive Relaxation nach Jakobson sind eine sinnvolle Ergänzung der Gesamtstrategie, da auch sie zu einer muskulären Entspannung führen, ebenso Biofeedback (= Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale).
  • Psychotherapeutische / psychologische Interventionen können bei ausgeprägten "psychosomatischen Schmerzen" angezeigt sein, da auch verdrängte Konflikte muskuläre Verspannungen und Schmerzen verstärken können.

Bestehen chronische Schmerzen längerfristig, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.

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Aktualisiert: 20.07.2006 k u
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T
Talalgie, Tendinopathie, Tendinitiden, Tendinosen, Tendomyopathien, Tendosynovialitis, Thoraxschmerz, Torticollis (www.torticollis.at), Trigeminusschmerz, Tumorleiden, Tumorpatienten, Tumorschmerzen, Tunnelsyndrom,
U Überlastungssyndrom, Übertragungsschmerz, Unterbauchschmerz, Unterkieferschmerzen, Unterleibsschmerz, Unterleibschmerzen, Unterkiefer-Schmerz
V Vaskulärer Kopfschmerz, Vasomotorischer Kopfschmerz, Venenschmerz (www.venen-schmerz.de), Venenentzündung (www.venenentzuendung.org), venöse Durchblutungsstörungen, Verschlußkrankheiten, vertebragener Schmerz, Vertebralsyndrome, Virale Arthritis, Viszeraler Schmerz, Visceraler Schmerz
Vorfußschmerzen, Vulvodynie,
W Wadenschmerz, Wangenschmerzen, Weichteilrheuma, Weichteilrheuma, chronischer Weichteilschmerz, Wirbelsäulenerkrankung (www.wirbelsaeulenerkrankung.com), Wirbelsäulenschmerz, Wirbelsäulensyndrome, Wirbelsäulenverkrümmung, WS-Schmerz, Wurzelentzündungen, Wurzelkompressionssyndrom, Wurzelneuritis, Wurzelreizsyndrome, Wurzelsyndrome,
Z Zahnschmerz, Zeckenstich (www.zeckenstich.com), zentraler Schmerz, Zephalgien, Zervikogener Schmerz, Zervikozephales Syndrom, Zoster-Infektion, Zosterschmerzen, Zungenschmerz, Zystalgie, Zystitis (www.zystitis.net), Zungenschmerz 

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